MB 40-2019 vom 2.10.2019 – Provinzielle Lebenswege mit Arno Luik

Vergangene Woche hatten wir den STERN-Autor Arno Luik in der Reihe „Prov. Lebenswege“ zu Gast. Luik, Jahrgang 1955, wuchs in Königsbronn bei Heidenheim auf. Seine Mutter war eine entfernte Verwandte des Widerstandskämpfers Georg Elser.

Sein Vater war Bahnhofsvorsteher in diesem schwäbischen Dorf, das an der Bahnlinie Schorndorf-Aalen liegt. Im Vorwort zu seinem jüngsten Buch „Schaden in der Oberleitung – Das geplante Desaster der Deutschen Bahn“ schreibt Arno Luik darüber: „[Meine Kindheit] war eine Zeit, als diese kleinen Bahnhöfe noch rausgeputzt waren, mit Rosen, die an Wänden hochkletterten, mit Geranien, die aus alten Schubkarren blühten, mit Blumengebinden, die an Zäunen hingen oder an der Bahnhofsuhr. Die Vorhänge in Bahnhofsvorsteherzimmer hatte meine Mutter genäht und gewaschen.

Sie hängen immer noch dort, nach über 50 Jahren – jetzt wehen sie über Trümmern im total ramponierten Bahnhof, der kein Bahnhof mehr ist.

Im Blick zurück erinnert all das daran, dass für viele Eisenbahner damals ihr Beruf mehr war als bloß ein Job – es war ein Zeichen dafür, dass sie ihre Bahn liebten. Und die Reisenden spürten das. Wenn der Zug drei Minuten zu spät kam, dann schämte sich der Schaffner.
Heute bietet der Bahnhof von Königsbronn einen traurig-trostlosen Anblick. Alles ist nur noch versifft, besprüht, verdreckt, überall Zigarettenkippen.

Die Verantwortlichen der Bahn in Berlin lassen damit die Menschen ‚draußen auf dem Land‘ wissen: Ich bin ein Abgehängter und soll dies ruhig spüren. Dieser kleine Bahnhof sagt auch, dass die Bahn gar nicht wirklich will, dass sie Zug fahren.“ (Forts. folgt)

Vorschau Herbstprogramm

Sa, 19.10., 19:30 Uhr, Glockenkelter: “Ibr miir kommd koiner mee – Vom Pietismus zum Anarchismus”. Vortrag in Bild und Ton von Ebbe Kögel über seinen Lebensweg. Eintritt frei.