MB 5-2020 vom 29.1.2020 – Gedenktag für die Opfer der NS-Diktatur

Vielleicht haben Sie es bemerkt: am vergangenen Montag waren die Rathäuser in Rom und Stetten halbmast beflaggt. Anlass dafür war der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, den es seit 1996 in Deutschland gibt. Der 27. Januar ist der Tag, an dem vor 75 Jahren das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit wurde.

Doch dieser Tag soll nicht nur an die ermordeten europäischen Juden, sondern an alle Opfer der NS-Diktatur erinnern: Sinti und Roma (früher als Zigeuner bezeichnet), Zeugen Jehovas, ZwangsarbeiterInnen, Homosexuelle, sog. „Asoziale“, politische Gefangene sowie Kranke und Behinderte.

Stetten und Rom hatten mehrere hundert Opfer zu beklagen. Hier vor allem die 333 Behinderten aus der Anstalt (die im Stettener Schloss und im „Schweizerhaus“ in Rom wohnten) und 70 Frauen aus der Anstalt Kork, die kriegsbedingt nach Stetten evakuiert worden waren. Insgesamt also 403 Behinderte, die mit den „Grauen Bussen“ nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet wurden. Zwei davon, Ernst Friedrich Beurer und Marta Schmid, stammten aus Stettener Familien. Das Foto zeigt die Hussen mit allen Namen und Lebensdaten der Ermordeten, die 2010 bei einer großen Gedenkaktion im Schlosshof ausgestellt waren.

Die Allmende hat vor 2 Jahren einen Film darüber gemacht: “Stetten.Grafeneck.1940 – Eine Busfahrt in den Tod”. Im Herbst 2020 wird es einen 2. Teil dazu geben. (Forts. folgt)