MB 13-2020 vom 25.3.2020: Der marktgerechte Patient

Am 8. November 2018 zeigte die Allmende in bundesweiter Erstaufführung den Film „Der marktgerechte Patient“. Die beiden Filmemacher Leslie Franke und Herdolor Lorenz zeigen in dieser Dokumentation genau die problematische Situation auf den Intensivstationen unserer Krankenhäuser, die jetzt landauf landab angesichts des Corona-Virus das große Thema ist. Schuld an diesen Problemen ist die Umstellung auf eine profitorientierte Finanzierung der Krankenhäuser durch Fallpauschalen, die sogenannten DRGs. [DRG steht für: Diagnosis Related Groups. Auf deutsch: diagnosebezogene Fallgruppen]. Dadurch „lohnt“ sich für private Firmen die Investition in Krankenhäuser. Der Anteil privater Krankenhäuser verdoppelte sich in den letzten Jahren, die Zahl der öffentlichen Krankenhäuser ging um 40% zurück. Die Privaten spezialisieren sich auf teure Operationen und lukrative PatientInnen. So stieg die Zahl der Kaiserschnitte von 1996 bis 2017 um 65%.

Das Pflegepersonal wird dabei zu einem unerwünschten Kostenfaktor. Seit Einführung der DRGs wurden 50.000 Pflegekräfte abgebaut! Auch immer mehr Krankenhäuser werden geschlossen. Damit sinkt auch die Zahl der Betten. Gutes Beispiel: der Rems-Murr-Kreis, wo vor Jahren die Krankenhäuser Waiblingen und Backnang geschlossen wurden. Auch Schorndorf stand lange auf der Kippe.

Alle Proteste des Pflegepersonals (auch in den Pflegeheimen) gegen zu hohe Belastungen und zu geringe Bezahlung wurden ignoriert oder liefen ins Leere. Die verantwortliche Politik fühlte sich eher den Krankenhaus- und Pflegekonzernen verpflichtet.

So klingt es schal, wenn jetzt PolitikerInnen den tollen Einsatz der Pflegekräfte in der Corona-Krise loben. Wie wäre es mit einer Entschuldigung für Versäumnisse und falsche Politik in der Vergangenheit? (Forts. folgt).

Siehe auch: www.der-marktgerechte-patient.org