Politik + Kultur – Allmende Jahresrückblick 2025 + Rückblik auf 20 Jahre Allmende

Mit einem Diavortrag blickte der Vorsitzende Ebbe Kögel am 29.12.2025 zurück auf das Jubiläumsjahr 2025 und auf die wichtigsten Ereignisse und Veranstaltungen der letzten 20 Jahre.
Im folgenden sein Vortrag in voller Länge:

20 Jahre Allmende
Blicken wir zuerst zurück auf 20 Jahre Allmende. Mit 525 Veranstaltungen und 25.000 BesucherInnen.
Fangen wir an mit dem Gründungsjahr 2005: Am 26. April 2005 fand unsere erste Veranstaltung statt, wir zeigten einen Film von Peter und Ruth Overbeck, die aus Israel bzw. Brasilien nach Stetten gekommen waren (im Museumskeller damals noch, leider inzwischen nicht mehr möglich!).
Bei der dritten Veranstaltung, einem Vortrag von Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft Filder, erreichten wir den absoluten Tiefpunkt des Zuschauerzuspruchs (bis heute!) bei unseren Veranstaltungen: 5 Personen! Steffen Siegel mitgezählt.
Viel besser war es dann bei der darauffolgenden Lesung mit Gunter Haug mit 50 BesucherInnen. Das ist auch die Zahl, die wir im Durchschnitt der letzten 20 Jahre erreicht haben, trotz der massiven Corona-Delle der Jahre 2020 bis 2022.

Ich will in einer notwendigerweise sehr verkürzten Auswahl auf ein paar Höhepunkte dieser Jahre eingehen:

Der Schriftsteller Peter Härtling kam zu den Provinziellen Lebenswegen: so wie Boris Palmer, Gotthilf Fischer und Mathias Richling.
Wie schon bei unserer ersten Veranstaltung hatten wir viele Vortragende aus der ganzen Welt: die ital. Journalistin Giuliana Sgrena, den Mandela-Kampfgefährten Dennis Goldberg und Ruth Weiss aus Südafrika, den anarchistischen Oberfälscher Lucio Urtubia, der sogar die Citybank reingelegt hat. Und die Friedenspreisträgerin Fatuma Abdelkadir Adan, die im November 2011 ins Ev. Gemeindehaus kam und über ihre Arbeit mit kenianischen Mädchen berichtete, begleitet von Auma Obama, der Halbschwester des früheren Präsidenten.
Zu politischen Veranstaltungen kamen Ernst Klee, Gabriele Krone-Schmalz, Ulrike Guerot und Sevim Dagdelen.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Aktivitäten waren heimatkundliche Führungen und Vorträge: zu den Bauernkriegen, zum 1. Weltkrieg, zur NS-Diktatur. Dann die große Hussen-Gedenkaktion „Die Namen der Toten“ (zum 70. Jahrestag der Deportationen aus der Anstalt nach Grafeneck im Herbst 2010), zum NS-Widerstand, zum Kriegsende bis zur Gemeindereform. Des weiteren die 12 heimatkundlichen Allmende-Filme aus dem Projekt Dorfgedächtnis, mit inzwischen fast einer halben Million Klicks auf youtube, darunter „d’Elis bachd“ mit 320.000 und „Stetten.Grafeneck.1940“ mit 120.000 Zugriffen.
Und seit 2013 die Backtage im Stettener Backhäusle, die von Ingrid Richter organisiert werden und inzwischen bei der Nummer 97 angekommen sind. Ihr ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle.
Nicht zu vergessen ein absoluter Höhepunkt am 5.8.2006 mit dem querschnittsgelähmten Blautopftaucher Jochen Hasenmayer mit seinem Mini-U-Boot im Stettener Freibad vor 750 BesucherInnen.
Zahlreich auch die kommunalpolitischen Vorträge zur Altenpflege, zur Hangweide, zum Stromnetz bzw. Energiewirtschaft, Agrarpolitik, Straßen-Umbenennungen und Corona.
Von der Allmende ging die Initiative zur Gründung aus von K21 Kernen (im Januar 2008 Erster Vortrag zu Stuttgart 21 mit Gerhard Pfeifer), 2011 der BürgerInnen-Energie-Genossenschaft Remstal (BEG, November 2023 in Insolvenz), 2012 dem Kommunalen Kino und dem Parteifreien Bündnis PFB, das 2014, 2019 und 2024 für den Gemeinderat kandidierte.
Des weiteren gab es den Anstoß zur Gründung der Initiative „Aufbruch zum Frieden“ und die Mitarbeit in den Arbeitskreisen zum Erhalt der Genossenschaftskelter, für die Umbenennung der Hindenburgstraße und beim Wasserforum Kernen. Dazu später mehr.
Zweimal wurde die Allmende mit Preisen ausgezeichnet. Zum einen mit dem Heimatpreis Baden-Württemberg 2014 für die Filme über die Glockenkelter. Und mit dem Kulturlandschaftspreis Baden-Württemberg 2023 für das Trockenmauerprojekt und den Museumswengert.
Zahlreich waren unsere KooperationspartnerInnen im Laufe dieser 2 Jahrzehnte – über 40 verschiedene Vereine und Organisationen, vom AK Solidarische Welt und dem AK Asyl über BUND, Nachhaltiges Kernen und Naturfreunde bis zum Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Hotel Silber, Pax Christi und den AnStiftern Stuttgart.
Besonders erwähnen möchte ich die Zusammenarbeit mit dem Eine-Welt-Laden in Rom und die tolle Arbeit der Frauen um Gisela Frey, die seit vielen Jahren regelmäßig ihre Waren bei der Allmende verkaufen.
Soweit also der große Rückblick.

Nun zum Jahr 2025
Im Jubiläumsjahr gab es 36 Veranstaltungen und fast 1.600 BesucherInnen. Dabei waren der Ocean Sounds Benefizabend mit Heike Vester, der Film „Holy Shit“ mit Live-Zuschaltung der Regisseurs aus Jamaika. Weitere Filme waren „Petra Kelly“ mit der Filmemacherin und „Riefenstahl“ mit den beiden Bildforscherinnen, die 3 Jahre lang das Riefenstahl-Archiv durchforstet haben. Mit Rekordbesuch von 125 BesucherInnen. Es folgte „Rabiye Kurnaz gg. George W. Bush“ mit dem Rechtsanwalt Docke aus Bremen, der damals Frau Kurnaz gegen die amerikanische Regierung vertrat.
„Provinzielle Lebenswege“ veranstalteten wir mit: Prof. Hans Dehlinger, Mathias Richling, Mike Schlaich und Herta Däubler-Gmelin.
Im Herbst eine Podiumsdiskussion zur Zukunft Klimabewegung und ein Vortrag von Helga Baumgarten „Völkermord in Gaza“. Und schließlich noch zum Abschluss der Film „Kein Land für Niemand“ über die Abschottung Europas und die ertrinkenden Flüchtlinge im Mittelmeer. Eine unserer vielen Kooperationen, hier mit AK Asyl und Kommunalem Kino.

Heimatgeschichtliches
Da wäre vor allem die schöne Ausstellung FREI Schwimmen im Haus der Geschichte in Stuttgart über die Geschichte der Freibäder zu erwähnen. Stetten war prominent vertreten, vor allem mit der Geschichte, wie das syrische Flüchtlingskind Mohamed im Stettener Freibad das Schwimmen lernteDann mehrere Führungen und Vorträge zum Kabelattentat mit Stettener Beteiligung durch Hermann „Mendel“ Medinger, sowohl in Stetten wie auch in Stuttgart. Ein Vortrag zum Maler Jerg Ratgeb, anlässlich 500 Jahre Bauernkrieg (1525 – 2025).
Auf meine Initiative hin wurde die TV-Halle nach dem früheren Vorsitzenden Otto Bosch umbenannt. In dessen Amtszeit fiel der Wiederaufbau der abgebrannten Halle. Anlässlich seines 90. Geburtstages machte ich einen Vortrag über sein Leben und Wirken. Die Granden der örtlichen SPD, der er ein Leben lang angehörte und für die er 30 Jahre im Gemeinderat saß, glänzte durch Abwesenheit. (Wie übrigens auch beim Abend mit Herta Däubler-Gmelin).
Im November starb Karl Haidle aus der Pommergaß im Alter von 110 Jahren. Er war kurzzeitig der älteste Mann Deutschlands und dementsprechend war die Aufregung groß als sein Tod bekannt wurde. Ich wurde von den Anfragen überrascht und überrollt.
Fast alle Zeitungen und Fernsehanstalten berichteten darüber. Sogar die BILD.
Leider erwähnte nur der SPIEGEL unseren Film „Karl Haidle Hondert“, dessen Klickzahlen trotzdem von 2.000 auf 8.500 stiegen.

Heimatgeschichte/Kommunalpolitik
Am Übergang von der Heimatgeschichte zur Kommunalpolitik sind die nächsten Themen angesiedelt, die Umbenennung der Hindenburgstraße. Ein Thema, das mich schon fast 50 Jahre beschäftigt, mit 3 vergeblichen Versuchen.
Dann gab es vor vielen Jahren in der Walpurgisnacht eine Hexenaktion zur Rückbenennung. Das neue Schild wurde schnell wieder entfernt.
Ein Vortrag zu „100 Jahre Reichspräsident Hindenburg“ am 26.4. war sozusagen die Einstimmung (damals allerdings noch nicht gewusst) auf die Initiative von Mike Burger im Herbst zur Umbenennung der Obergaß. Wobei er gern den Namen „Hildegard-Spieth-Straße“ hätte, während ich für ein Rückbenennung bin.
Wir sammelten Unterschriften für einen Bürgerantrag. An die 300 kamen zusammen. (180 wären nötig gewesen). Der Antrag wird wohl am 29. Januar 2026 in der Sitzung des Gemeinderats behandelt werden.
Leider wurde der Initiative um Mike Burger ein Veröffentlichungsrecht im Mitteilungsblatt verweigert.
Einer weiteren Initiative passierte dasselbe. Obwohl dies laut Statut durch Zustimmung des Bürgermeisters möglich wäre und bei anderen Initiativen in der Vergangenheit auch praktiziert wurde.
Sie entstand schon vor 2 Jahren auf Anregung von Rainer Schlegel und setzte sich für den Erhalt der Kelter bzw. eine Neunutzung, z.B. als Bauernmarkt ein. Der geplante Abriss konnte verhindert werden. Inzwischen hat sie die Volksbank Stuttgart gekauft und will dort ihren Gartenmarkt unterbringen. Die 1931 gegründete Wengertergenossenschaft wird zum Ende des Jahres 2025 endgültig aufgelöst.

Kommunalpolitik
Bei der GR-Wahl 2024 trat das PFB – aufgrund der vorhergehenden Zerwürfnisse wg. Corona-Politik und Impfpflicht – nur mit einer kleinen Liste an. Mit 3,5% der Stimmen reichte es gerade noch für 1 Sitz für Corinna Konzmann.
In der Regel werden alle PFB-Initiativen und Anträge runtergestimmt. So bleibt es bei kritischen Anmerkungen zur herrschenden Politik bei den folgenden Themen: Arm und Reich, Digitalisierung, Haushaltskürzungen, Zentralisierung Kläranlagen, Corona-Aufarbeitung, Ausweitung der Bürgerbeteiligung und Einschränkung des demokratischen Debattenraums.
Eine größere Resonanz fand die jüngste Unterschriftensammlung, die von Berthold Schreiber angestoßen und vom PFB unterstützt wurde: nämlich die Infragestellung der Rechtskonstruktion und der voraussichtlichen Kosten für die geplante Mediathek auf der Hangweide.
Hier kam es zu einer regelrechten Front und persönlichen Angriffen der „Blockparteien“ gegen OLK und PFB.
Am 26.1.2026 findet im Bürgerhaus eine BürgerInnen-Infoveranstaltung mit dem beauftragten Architekturbüro statt, nachdem sich seither alles – wie bei vielen anderen Themen – im nichtöffentlichen Bereich abspielte.

Was war sonst noch los?

Das Ende 2024 unter dem Dach vom Nachhaltiges Kernen gegründete „Wasserforum Kernen“ veranstaltete verschiedene Besichtigungstouren zur Wasserversorgung.
Nach wie vor besuchen die Aktiven von K21Kernen die Kundgebungen gegen S21. Weniger werdend, aber trotzdem regelmäßig. Von der neuen Bahnchefin Palla ist leider keine Veränderung der „Augen zu und durch“ – Politik zu erwarten. Das Trauerspiel wird weitergehen.

Weltpolitik
Und auch die „große“ Weltpolitik hinterließ ihre Spuren in unseren Aktivitäten.
Vor allem die Kriege in der Ukraine und in Gaza, zu denen wir in den letzten 4 Jahren Kundgebungen und Unterschriftenaktionen durchgeführt haben. (Siehe unser Foto mit zwei Kriegsdienstverweigerern aus Russland).
Im Dez. 2024 gründete sich die Initiative „Aufbruch zum Frieden“. Wenige Leute zwar, aber immerhin konnten ein paar öffentliche Aktionen durchgeführt werden. Begleitet von weiteren Zensurmaßnahmen und auch hier die Verweigerung eines Veröffentlichungsrechtes für die Initiative durch den Bürgermeister und seinen Pressesprecher.

Zum Ausklang des Jahres gab es noch eine Kontroverse zum Volkstrauertag – wie schon so oft in der Vergangenheit.
Ich hatte in einem PFB-Artikel die Wortwahl der Rede des Bürgermeisters bei der Gedenkveranstaltung auf dem St.Pierre Platz kritisiert. Leider mit einem falschen bzw. unzureichenden Zitat, so dass ich mich dafür entschuldigt habe. So unterblieb leider eine Debatte über durchaus problematische Inhalte seiner Rede.

Soweit also die Übersicht über die Aktivitäten des Jahres 2025.
Wir freuen uns auf spannende Veranstaltungen in 2026.

-ebbe-

Russische Kriegsdienstverweigerer bei der Allmende, 22.10.2025, Foto Allmende